Hochsensible Kinder & Jugendliche

Hochsensible Kinder - Karina Sass, Integraler Gesundheitscoach, Rügen, Putbus / Foto: Karina Sass

Hochsensible Kinder sind so vielfältig wie die Steine und Muscheln am Strand. Kein Kind gleicht dem anderen – und doch unterscheiden sie sich grundsätzlich in ihren Verhaltenstendenzen, nämlich der introvertierten und der extrovertierten Neigung. Daneben spielen aber auch der Empathietyp, das Alter und die soziale Umgebung hochsensibler Kinder eine tragende Rolle für ihr Verhalten und ihre gesunde Entwicklung.


introvertiert oder extrovertiert?

Introvertierte Kinder entsprechen am ehesten dem Sinnbild hochsensibler Kinder. Von der Umwelt werden sie als schüchtern, schwierig und weinerlich wahrgenommen. Oft ist ihnen alles zu viel. Sie sind „mäkelig“, wirken eher zurückhaltend und sind gerne für sich allein. Ihnen macht es gar nichts aus, stundenlang alleine zu spielen (denn daraus schöpfen sie Kraft). Sie haben nur wenig Freunde. In großen Gruppen fühlen sie sich überfordert und im Mittelpunkt zu stehen, liegt ihnen nicht. Sie treten gerne in den Hintergrund zurück, denn von dort lässt sich ungestört beobachten. Introvertierte hochsensible Kinder sind Träumer & Denker und leben in ihrer Fantasiewelt, aus der sie nur schwer herauszubekommen sind – oft hilft da nur eine sanfte, liebevolle Berührung, um sie wieder in die Realität zurückzuholen.

 

Extrovertierte hochsensible Kinder hingegen – weit seltener als introvertierte – sind gerne "der Käptn' auf dem Schiff". Sie genießen den Kontakt zu anderen Menschen und suchen diesen auch. Kraft und Freude schöpfen sie aus Begegnungen mit anderen. Sie sind oft sehr mitteilungsbedürftig, haben Freunde und fühlen sich in großen Gruppen wohl, so lange sie den Überblick behalten bzw. das Sagen haben. Ist das nicht der Fall, geraten sie schnell "außer Rand und Band". Sie haben auch kein Problem im Mittelpunkt zu stehen, ja sie genießen dies sogar. 

 

Extrovertierte hochsensible Kinder sind oft sehr sportlich, lieben Aktivitäten aller Art und sind dabei oft Grenzgänger (z.B. beim Klettern auf Bäume ...), Hauptsache, sie können in Bewegung sein und an ihre Grenzen gehen. Bei sportlichen Wettbewerben geht es ihnen jedoch nie darum zu gewinnen, um die anderen "auszustechen" sondern darum, sich selbst zu überbieten und die eigene Leistung zu testen.


Mentale Unterstützung für eine gesunde Entwicklung

Egal ob introvertiert oder extrovertiert – durch ihre starke Reizoffenheit nehmen hochsensible Kinder viel mehr aus ihrer Umwelt wahr als normal sensible Kinder und haben eine tiefere und deshalb auch verlängerte Reizverarbeitungszeit. Manchmal sprechen oder träumen sie noch nach Monaten oder gar Jahren von einem für sie aufwühlenden Ereignis. Ihre Sinne und ihr Gehirn laufen ständig auf Hochtouren. Weil ihnen oft keine Zeit bleibt, all diese Reize zu verarbeiten, sind sie schnell überfordert. Was zu latenter Übermüdung, nervösen Ticks oder auch zu unvermittelten emotionalen Ausbrüchen (bei kleinsten Anlässen) sowie physischen wie auch psychischen Störungen führen kann. 

 

Hochsensible Kinder lassen sich schnell ablenken, reagieren auf Ungerechtigkeiten sehr betroffen und können schlechte Stimmung nur schwer aushalten. Sie haben ein hohes Gerechtigkeits- und Harmonieempfinden, sind sehr feinfühlig, emotional und empathisch. Viele haben eine tiefe Verbindung zu Natur und Tieren. Außerdem sind sie sehr kreativ und besitzen viel Phantasie.

 

Und hochsensible Kinder sind ein Spiegel unserer Gesellschaft. Verbindet man sich mit ihnen und gibt ihren Gedanken Raum, offenbaren sich plötzlich viele Möglichkeiten für Veränderung und Entwicklung. 

 

Hochsensible Kinder sind vielfältig begabt, und gerade deshalb ist es so schwierig, eine allgemeine Beschreibung für diese Kinder zu finden. Die genannten Merkmale sind nur grobe Anhaltspunkte. Was ihnen allen aber gemeinsam ist, ist das tiefe Bedürfnis nach Sinnhaftigkeit, Gestaltungsfreiraum und klaren, nachvollziehbaren Strukturen. Vielleicht fragen sie auch deshalb so häufig nach dem WARUM ...

 

In meinen Vorträgen, Weiterbildungen und Trainings erfährst du als Pädagog*in im konstruktiven Austausch mehr über das Persönlichkeitsmerkmal "Hochsensibilität" sowie den gesundheits- und entwicklungsfördernden Umgang mit hochsensiblen Kindern. Du lernst, wie du sie integrieren und  fördern kannst. Denn mit ihren queren Denkweisen und frischen Ideen sind hochsensible Kinder vor allem eine Bereicherung, gerade weil sie herausfordernd und anspruchsvoll – eben unkonventionell – sind.