Traumatisierung

Trauma-Auslöser können sein ...

Bereits die kleinsten Erlebnisse können traumatisieren. Abhängig von der Sensibilität der jeweiligen Person, sind die Anlässe sehr unterschiedlich, manchmal scheinbar nichtig. Doch die Person selbst leidet darunter und nimmt bestimmte Erlebnisse als stressig oder Angst einflößend wahr. Werden traumatisierende Erlebnisse nicht aufgearbeitet bzw. reflektiert, werden sie im Körper abgespeichert und können so ins weitere Leben hineinwirken, indem sie z.B. das Verhalten beeinflussen, körperliche oder psychische Beschwerden verursachen oder negative Gefühle auslösen. 

 

Im Folgenden findest du einige anschauliche Beispiele:


Mia

Mia, 6 Jahre alt, schüchtern und sehr ehrgeizig, hatte zuhause viel Lesen geübt, um eine gute Note beim Vorlesen in der Schule zu bekommen. Sie war sehr aufgeregt, vor der ganzen Klasse sprechen zu müssen. 

 

Weil sie beim Vorlesen sehr leise sprach, etwas stotterte und es ihr schwer fiel, die Worte deutlich auszusprechen, bekam sie jedoch eine schlechte Note.

 

Ihre Mitschüler lachten sie aus. Sie schämte sich sehr, war traurig und wäre am liebsten unsichtbar geworden.

 

Zuhause angekommen, erzählte sie ihrer Mutter von der schlechten Note und dass man sie ausgelacht hatte. 

 

Die Mutter beschimpfte ihre Tochter: “Sie sei zu dumm … hätte nicht genug geübt ..., aus ihr würde nichts werden ... Das hätte sie immer schon gewusst. Und sie solle sich mal nicht so anstellen. Das wäre ja wohl alles nicht so schlimm.“ 

 

Solche und ähnliche Situationen begleiten Mia durch ihre gesamte Kindheit.

 

Im Erwachsenenalter begleitet sie das Gefühl, nicht gut genug zu sein. Sie ist unauffällig, kontakt- und konfliktscheu und traut sich nur wenig bis gar nichts zu. Am liebsten ist sie für sich.

Beate

Max und Beate sind seit Längerem ein Paar. Es ist Samstag und Max möchte mit Beate gerne ins Kino gehen. Beate hat keine Lust, kann ihm aber keinen Grund dafür nennen. Sie fühlt sich nicht wohl, ohne es genauer benennen zu können.

 

Um sie umzustimmen, erzählt Max ihr, wie angesagt dieser Film ist und welch tolle Besetzung er hat. Beate lässt sich überreden und geht mit ins Kino.

 

Sie kann dem Film jedoch nichts abgewinnen und wird von Minute zu Minute frustrierter. Sie ärgert sich über sich selbst, dass sie sich wieder einmal hat überreden lassen, obwohl sie es hätte besser wissen müssen.

 

Um ihrer Wut endlich Luft zu machen, zettelt sie zuhause unbewusst einen Streit wegen Nichtigkeiten an. Diese Situationen belasten ihre Beziehung inzwischen stark, weil Max ihr Verhalten nicht nachvollziehen kann und Beate sich selbst nicht versteht. 

 

In ihrer Kindheit hat Beate sich immer stark angepasst. Es fällt ihr schwer, ihre Bedürfnisse und Gefühle klar zu benennen und für sich einzustehen. Sie möchte der Sache endlich auf den Grund gehen und sucht sich Hilfe. 

 

Katja

Katja und Bernd sitzen glücklich in ihrem Lieblingsrestaurant. Sie wählten einen Tisch für vier Personen. Alle Tische sind inzwischen belegt. Deshalb setzt sich später ein weiteres Pärchen zu ihnen an den Tisch.

 

Katja bemerkt, wie Bernd ständig die Frau neben ihr anschaut.

In ihr steigen Unbehagen, Wut und Ärger auf. Sie kann ihre Gefühle nicht mehr unterdrücken und macht Bernd am Tisch eine Szene. 

 

Bernd ist völlig überrollt und weiß nicht, wie er reagieren soll. Weinend rennt Katja aus dem Lokal. Bernd geht ihr hinterher und versucht sie zu beruhigen, beschwört, dass er nur sie liebe. 

 

Katja fühlt sich tief verletzt und zweifelt an seinen Gefühlen. Auf dem Heimweg konfrontiert sie Bernd mit angeblich ähnlichen Situationen aus der Vergangenheit. Zurück in der gemeinsamen Wohnung muss er zum Schlafen auf das Sofa umziehen. Erst nach Tagen beruhigt Katja sich wieder.

 

Nach einer Aussprache mit Bernd möchte sie der Sache nun endlich auf den Grund gehen und sucht sich therapeutische Hilfe.  



 Alle genannten Personen schwören sich jedes Mal, dass sich diese Situationen nicht wiederholen sollen. Doch eh sie sich versehen, fallen sie immer wieder in die gleichen Verhaltens- und Denkmuster. Damit sie diese schmerzenden Gefühle nie wieder spüren müssen, entwickeln sie Vermeidungs- und Verhinderungstaktiken: z.B. ein starke Harmoniesehnsucht oder ein Perfektionsstreben bis hin zur Pedanterie, ein enormes Anpassungsvermögen bis hin zur Selbstaufgabe: "Lieber sage ich nichts, um nicht Zielscheibe für Konfrontationen zu werden." Oder sie sind kontrollierend, manipulierend, intrigierend und üben gerne Macht aus.

 

Traumata brechen ihre Bahn z.B. in starken Wutausbrüche, reflexartigem Beschimpfen, Zittern oder Sprachlosigkeit und überlagern damit unser "normales" Verhalten. Zudem drücken innere Widerstände und Abwehrhaltungen tiefsitzende Verletzungen aus. All die genannten Symptome machen uns das (Zusammen)Leben schwer.

 

Wer sich selbst reflektiert und fragt: "Warum reagiere ich wieder so heftig?" kann dem Trauma auf die Schliche kommen und es behutsam auflösen. Dabei unterstütze und begleite ich dich vertrauensvoll in deinem individuellen Tempo. 


Symptome, die auf Traumatisierungen hindeuten

Körperebene

  • Konzentrationsschwäche
  • Muskelverspannungen
  • Kopfschmerzen
  • körperliche Beschwerden, die auch erst Jahre später auftauchen können
  • Schlaf- und Essstörungen
  • Depressionen
  • Posttraumatische Belastungsstörung
  • chronische Schmerzen 
  • erhöhte Reizempfindlichkeit
  • Amnesie und Vergesslichkeit
  • starke Erregungszustände 
  • erhöhte Cortisol-Werte
  • andere Erkrankungen

Gefühlsebene

  • erhöhte Reizbarkeit
  • Misstrauen
  • erhöhte Scham- und Schuldgefühle
  • emotionale Taubheit
  • heftige Stimmungsschwankungen
  • allgemeines Desinteresse
  • Gefühle von Entfremdung und Isolation
  • Hilflosigkeit
  • Leugnen/ Lügen
  • geringes Selbstwertgefühl
  • hohe Verletzbarkeit
  • Ängste
  • starke Selbstzweifel

Verhaltensebene

  • Antriebslosigkeit
  • Ungeduld
  • Bindungsstörungen
  • Kontaktscheuheit 
  • Vermeidung sozialer Kontakte/ Rückzug
  • Passivität
  • Schwierigkeiten im Augenkontakt
  • Liebes-/ Beziehungsunfähigkeit
  • Leugnen/ Lügen
  • ständige Suche nach Aktivität
  • Streben nach Perfektionismus
  • Machtmissbrauch im Beruf
  • unbewusste Kontrollsucht
  • Abnabeln von Eltern scheint unmöglich


Prägungen & Glaubenssätze, die aus traumatischen Erlebnissen stammen können

 

ich falle zur Last

ich bin nicht gut genug
ich bin nicht liebenswert
ich schaff das sowieso nicht

es bringt doch sowieso nichts

ich bin nicht willkommen
ich muss funktionieren

ich bin nicht wichtig

ich bin dumm